Vom Chaos zur Struktur: Psychotherapie für Kinder mit ADHS in Schwechat
"Warum kannst du nicht einfach still sitzen wie die anderen Kinder?" Diese Frage hören viele Kinder mit ADHS – und sie tut weh. Sie wollen still sitzen, aufmerksam zuhören und gute Noten schreiben, aber es fühlt sich an, als ob ihr Körper und Kopf ein Eigenleben führen.
Für Eltern ist es oft eine Herausforderung, dieses Verhalten zu verstehen. Doch die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist keine Frage der Erziehung oder Willenskraft. Sie ist eine neurobiologische Besonderheit, die besondere Ansätze und Verständnis erfordert. In diesem Leitfaden erklären wir, was ADHS ist, wie Eltern helfen können und warum frühzeitige Unterstützung wichtig ist.
ADHS verstehen: Ein Überblick
ADHS ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die das Verhalten und die Aufmerksamkeit beeinflusst. Dabei handelt es sich um eine Besonderheit in der Entwicklung des Gehirns, die bereits in der Kindheit auftritt und sich auf die Lebensgestaltung auswirkt. Studien zeigen, dass Jungen etwa doppelt bis viermal so häufig betroffen sind wie Mädchen. Der Grund dafür liegt unter anderem darin, dass Jungen häufiger den hyperaktiven Typ zeigen, der leichter erkennbar ist. Mädchen hingegen neigen oft zu der unaufmerksamen, verträumten Variante, die subtiler und schwerer zu diagnostizieren ist.
Die drei Gesichter von ADHS:
- Unaufmerksamer Typ: Kinder haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, sind oft verträumt und verlieren leicht den Faden.
- Hyperaktiver Typ: Diese Kinder sind sehr energiegeladen, können kaum still sitzen und handeln oft impulsiv.
- Kombinierter Typ: Eine Mischung aus beiden Merkmalen, die am häufigsten vorkommt.
ADHS ist keine Charakterschwäche oder das Ergebnis schlechter Erziehung, sondern eine Besonderheit in der Funktionsweise des Gehirns.
Woher kommt ADHS?
Die genauen Ursachen von ADHS sind komplex und umfassen eine Mischung aus genetischen, biologischen und umweltbedingten Faktoren:
- Genetische Einflüsse: ADHS tritt häufiger in Familien auf, was auf eine erbliche Komponente hinweist.
- Biologische Faktoren: ADHS ist durch Veränderungen in den Hirnregionen gekennzeichnet, die für Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Planung zuständig sind. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin. Dopamin reguliert Motivation, Belohnung und Handlungsplanung. Bei Menschen mit ADHS ist der Dopaminspiegel häufig zu niedrig, da das Dopamin schneller abgebaut oder unzureichend produziert wird. Dadurch wird die Signalübertragung im Gehirn beeinträchtigt. Noradrenalin wiederum ist wichtig für die Fokussierung und die Reaktion auf Stress. Auch hier gibt es Ungleichgewichte, die die Fähigkeit zur Konzentration und zur Reizverarbeitung beeinflussen. Diese Besonderheiten führen dazu, dass Betroffene Reize nicht effizient verarbeiten können, was sich in typischen ADHS-Symptomen zeigt.
- Umweltfaktoren: Belastungen wie Frühgeburt, Stress in der Schwangerschaft oder die Belastung durch Alkohol, Nikotin oder andere Toxine wie Blei oder Pestizide können das Risiko erhöhen.
Diese Faktoren wirken zusammen und beeinflussen die Entwicklung und Ausprägung von ADHS.
Wie äußert sich ADHS im Alltag?
ADHS kann sich auf verschiedene Weise zeigen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Probleme mit der Aufmerksamkeit: Kinder lassen sich leicht ablenken, vergessen Anweisungen und haben Schwierigkeiten, Aufgaben zu Ende zu bringen.
- Hyperaktivität: Ständiges Zappeln, Herumlaufen oder übermäßiges Reden.
- Impulsivität: Spontane Handlungen ohne Überlegen, Unterbrechen von Gesprächen oder Schwierigkeiten, auf die eigene Reihe zu warten.
Lebensnahe Beispiele:
- Ihr Kind beginnt, ein Puzzle zu machen, und wechselt plötzlich zum Malen, ohne das Puzzle zu beenden.
- Im Kindergarten kann es schwer abwarten, bis es an der Reihe ist, und nimmt anderen Kindern manchmal unbedacht das Spielzeug weg.
- In der Schule ruft es Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist.
- Beim Spielen mit anderen Kindern entstehen Konflikte, weil es sich nicht an die Regeln hält.
Strategien für Eltern: So unterstützen Sie Ihr Kind
Eltern können viel dazu beitragen, ihrem Kind den Alltag zu erleichtern. Hier sind einige Strategien, die sich bewährt haben:
- Klare Strukturen schaffen:
- Regelmäßige Tagesabläufe geben Sicherheit.
- Visualisieren Sie Aufgaben und Abläufe mit Checklisten oder Plänen.
- Positive Verstärkung nutzen:
- Belohnen Sie positives Verhalten mit Lob oder kleinen Anreizen.
- Loben Sie Anstrengungen, auch wenn das Ergebnis nicht perfekt ist.
- Bewegung einbauen:
- Bewegung hilft, Energie abzubauen und die Konzentration zu fördern.
- Sportliche Aktivitäten wie Schwimmen oder Tanzen sind ideal.
- Zusammenarbeit mit der Schule:
- Besprechen Sie mit Lehrern, wie Ihr Kind bestmöglich unterstützt werden kann.
- Zusätzliche Pausen oder ein ruhiger Arbeitsplatz können hilfreich sein.
- Geduld und Verständnis:
- ADHS erfordert Zeit und Geduld. Feiern Sie kleine Fortschritte.
- Seien Sie nachsichtig, wenn nicht alles sofort gelingt.
Unterstützung in der Praxis:
Lena, 8 Jahre alt, liebt es, Geschichten zu erfinden, hat aber Schwierigkeiten, im Unterricht ruhig zu sitzen. Ihre Eltern erstellten einen visuellen Wochenplan, der ihr hilft, den Tag besser zu strukturieren. In Absprache mit der Schule darf sie nach jeder Stunde kurz aufstehen und sich bewegen. Mit diesen Maßnahmen fühlt sich Lena sicherer und kann ihre Kreativität besser ausleben.
Therapiemöglichkeiten bei ADHS
Ein umfassender Ansatz ist entscheidend, um ADHS erfolgreich zu behandeln.
Psychotherapie spielt dabei eine zentrale Rolle. Kinder mit ADHS lernen in therapeutischen Sitzungen, ihre Impulse besser zu kontrollieren und Strategien zur Selbstregulation zu entwickeln. Dabei wird auch der Selbstwert gestärkt, der oft durch häufiges Schimpfen und mangelnde Anerkennung gelitten hat. Viele Kinder erleben, dass Dinge kaputtgehen oder Gläser umfallen, wodurch Lob und Anerkennung seltener werden. In der Therapie lernen Kinder, Erfolge wahrzunehmen und stolz auf ihre Fortschritte zu sein. Gleichzeitig profitieren Eltern von der Therapie, indem sie lernen, wie sie ihr Kind im Alltag besser unterstützen und auf schwierige Verhaltensweisen reagieren können.
Am Gesundheitszentrum Carpe Diem Schwechat, Wiener Straße 22, 2320 Schwechat, wird Psychotherapie für Kinder mit ADHS angeboten. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.carpediem-linz.at, telefonisch unter +43 670 350 76 88 oder per E-Mail an praxis@carpediem-linz.at.
Medikamente können ergänzend eingesetzt werden, wenn die Symptome sehr ausgeprägt sind. Sie helfen, die Botenstoffe im Gehirn auszugleichen und die Konzentration zu verbessern. Die Entscheidung für eine medikamentöse Behandlung sollte jedoch immer sorgfältig abgewogen und in Kombination mit anderen Maßnahmen getroffen werden.
Zusätzlich können Neurofeedback oder Entspannungstechniken wie Yoga helfen, die Selbstregulation zu verbessern und die Konzentrationsfähigkeit zu stärken. Ergotherapie ist besonders dann sinnvoll, wenn auch motorische Schwierigkeiten vorliegen.
Erfolgsgeschichte aus dem Gesundheitszentrum Carpe Diem Schwechat: Max' Weg zu mehr Selbstvertrauen
Max, 10 Jahre alt, fühlte sich oft wie der "Störenfried" – sei es zu Hause, wenn beim Abendessen ein Glas umfiel, oder in der Schule, wo er seine Mitschüler:innen ungewollt unterbrach. „Warum kannst du nicht einfach aufpassen?“ hörte er häufig. Diese Worte machten ihn traurig, aber auch wütend. „Ich möchte ja still sitzen, aber meine Beine bewegen sich einfach von selbst“, dachte er oft verzweifelt.
In der Psychotherapie begann Max, seine Impulse besser zu verstehen. Er erlernte „kleine Tricks“, um in aufregenden Momenten Ruhe zu bewahren, wie z. B. dreimal tief durchzuatmen oder mit einem Stressball zu spielen. Gleichzeitig achteten seine Eltern darauf, Max häufiger für die Dinge zu loben, die ihm gelingen – sei es ein freundlich zugeworfenes Lächeln oder ein gelungenes Diktat. Mit jedem kleinen Erfolg wuchs Max' Selbstvertrauen, und die Atmosphäre in der Familie wurde spürbar harmonischer.
Ein neuer Blick auf ADHS: Chancen erkennen und nutzen
ADHS ist keine Krankheit, die es zu "heilen" gilt, sondern eine Besonderheit, die mit der richtigen Unterstützung gut gemanagt werden kann. Viele Betroffene entwickeln kreative Problemlösungsstrategien und haben ein großes Potenzial in Bereichen, die sie wirklich interessieren.
Wenn Sie sich durch das Verhalten Ihres Kindes oft überfordert fühlen oder unsicher sind, wie Sie ihm am besten helfen können, ist eine frühzeitige Diagnose und gezielte Unterstützung entscheidend. Kontaktieren Sie das Gesundheitszentrum Carpe Diem, Schwechat für ein unverbindliches Erstgespräch – gemeinsam finden wir Wege, wie Ihr Kind sein volles Potenzial entfalten kann.
