Der innere Schweinehund – warum Veränderung oft schwerer ist, als sie aussieht
Zwischen Wissen und Handeln liegt oft der innere Schweinehund
Viele Menschen wissen eigentlich genau, was ihnen guttun würde: mehr Bewegung, weniger Stress, regelmäßige Pausen, früher schlafen oder sich endlich wieder Zeit für sich selbst nehmen.
Und trotzdem bleibt vieles beim Vorsatz.
Nicht, weil jemand faul ist oder zu wenig Disziplin hat. Sondern weil Veränderung im Alltag oft deutlich schwieriger ist, als sie von außen aussieht. Zwischen dem Wissen und dem tatsächlichen Handeln liegt häufig etwas, das viele nur zu gut kennen: der innere Schweinehund.
Der Begriff klingt fast harmlos, beinahe humorvoll. Gleichzeitig beschreibt er etwas, das viele Menschen belastet.
Diese innere Stimme kennt fast jeder:
„Heute nicht mehr.“
„Morgen fange ich wirklich an.“
„Jetzt ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt.“
Das Interessante ist: Diese Stimme tritt selten laut oder aggressiv auf. Meist klingt sie vernünftig. Sie möchte Anstrengung vermeiden, vor Überforderung schützen und kurzfristig für Entlastung sorgen. Genau deshalb fällt es oft so schwer, sich gegen sie durchzusetzen.
Wenn der innere Schweinehund und der innere Kritiker zusammenarbeiten
Aus psychologischer Sicht ist der innere Schweinehund nicht einfach ein Zeichen von Willensschwäche. Man kann ihn vielmehr als einen inneren Anteil verstehen, der versucht, uns vor zusätzlicher Belastung zu schützen.
Dem gegenüber steht häufig ein anderer innerer Anteil: der innere Kritiker. Während der Schweinehund sagt: „Mach es später.“, meldet sich der Kritiker oft direkt danach mit Sätzen wie: „Jetzt hast du es schon wieder nicht geschafft.“ oder „Du bist einfach nicht konsequent genug.“
Wer sich mit diesem Thema näher beschäftigen möchte, findet im Blogbeitrag „Wenn die innere Stimme nie zufrieden ist“ weitere Gedanken dazu, warum der innere Kritiker so viel Einfluss auf unser Denken und Handeln haben kann. https://www.carpediem-linz.at/blog/96/kritiker-perfektionismus-psychotherapie-linz.html
Viele Menschen erleben genau dieses Zusammenspiel. Erst wird etwas aufgeschoben, anschließend folgen Schuldgefühle und Selbstvorwürfe. So entsteht ein Kreislauf, aus dem man allein oft nur schwer herausfindet.
Was ich in meiner Arbeit immer wieder erlebe
In meiner Arbeit begegnet mir dieses Thema immer wieder. Dann höre ich Sätze wie:
„Warum schaffe ich das nicht?“
„Ich nehme es mir ständig vor.“
„Andere kriegen das doch auch hin.“
Gerade in meinen Adipositasgruppen sprechen Menschen sehr offen über ihren täglichen Kampf – nicht nur rund ums Essen, sondern auch über Erschöpfung, Druck und das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen.
Ein Teilnehmer sagte einmal:
"Den ganzen Tag reiße ich mich zusammen. Aber irgendwann bin ich einfach müde vom Kämpfen."
Dieser Satz ist mir in Erinnerung geblieben. Vielleicht, weil er weit über das Thema Gewicht hinausgeht.
Eine Teilnehmerin formulierte es so:
"Am Abend will ich einfach nur kurz meine Ruhe haben. Und dann esse ich, obwohl ich eigentlich gar keinen Hunger mehr habe."
Im Raum wurde es still. Nicht, weil diese Aussage ungewöhnlich war, sondern weil viele dieses Gefühl kannten.
Menschen handeln selten bewusst gegen sich selbst. Häufig versuchen sie einfach, mit Stress, Müdigkeit, Überforderung oder innerem Druck zurechtzukommen.
Das betrifft nicht nur das Essen. Manche greifen ständig zum Handy, obwohl sie eigentlich Erholung bräuchten. Andere schieben wichtige Gespräche auf oder ignorieren ihre Belastungsgrenzen über lange Zeit.
Deshalb tue ich mir auch schwer mit Aussagen wie:
"Du musst dich einfach mehr zusammenreißen."
Natürlich braucht Veränderung manchmal Überwindung. Doch Druck allein hilft meist nur für kurze Zeit. Viele Menschen setzen sich ohnehin schon stark unter Druck. Zusätzliche Selbstvorwürfe machen Veränderungen oft noch schwerer.
Was ich immer wieder beobachte: Die meisten Menschen sind nicht zu nachsichtig mit sich, sondern viel zu streng.
Nach einem schwierigen Tag reichen oft Kleinigkeiten und die Selbstkritik beginnt sofort:
"Jetzt habe ich es schon wieder nicht geschafft."
"Mit mir stimmt etwas nicht."
"Ich bin einfach zu schwach."
Veränderung beginnt oft mit einer ehrlichen Frage
Ich glaube nicht, dass die meisten Menschen am fehlenden Willen scheitern. Viel häufiger sehe ich Erschöpfung. Menschen, die lange funktioniert, ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt und irgendwann kaum noch Kraft für weitere Anstrengungen haben.
Vielleicht beginnt Veränderung deshalb nicht mit dem perfekten Plan oder besonders viel Motivation. Vielleicht beginnt sie mit ein paar ehrlichen Fragen:
Bin ich wirklich bequem – oder einfach müde?
Brauche ich tatsächlich mehr Druck?
Oder brauche ich gerade etwas ganz anderes?
Diese Fragen lösen nicht sofort alle Probleme. Sie können aber den Blick verändern. Manchmal entsteht dadurch der erste Moment, in dem Menschen aufhören, ausschließlich gegen sich selbst zu kämpfen.
Genau solche inneren Muster werden auch in der psychologischen und psychotherapeutischen Arbeit sichtbar. Gemeinsam kann herausgefunden werden, welche Funktion der innere Schweinehund eigentlich erfüllt, woher die starke Selbstkritik kommt und welche Bedürfnisse möglicherweise über lange Zeit zu kurz gekommen sind.
Viele dieser Themen greifen wir auch in unserer psychotherapeutischen Gruppe „Mit mehr Leichtigkeit durch Herbst und Winter“ auf. Dort geht es unter anderem darum, mit Belastungen besser umzugehen, die eigenen Bedürfnisse wieder stärker wahrzunehmen und neue Wege im Umgang mit sich selbst zu finden. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, finden Sie Informationen dazu im gleichnamigen Blogbeitrag. https://www.carpediem-linz.at/blog/95/psychotherapiegruppe-linz-%E2%80%93-depression-erschoepfung-selbstfuersorge.html
Der innere Schweinehund wird wahrscheinlich nie ganz verschwinden. Vielleicht muss er das auch gar nicht. Vielleicht geht es weniger darum, ihn zu besiegen, sondern besser zu verstehen, warum er sich gerade dann meldet, wenn uns ohnehin schon die Kraft fehlt.
Ein erster Schritt kann ein Gespräch sein
Im Gesundheitszentrum Carpe Diem bieten wir sowohl Einzel- als auch Gruppentherapien an. Gerade in der Gruppe erleben viele Menschen, dass sie mit ihren Schwierigkeiten nicht allein sind. Das nimmt oft bereits einen Teil des Drucks und eröffnet neue Möglichkeiten, Veränderungen Schritt für Schritt in den Alltag einzubauen.
Wenn Sie sich in den beschriebenen Themen wiederfinden und das Gefühl haben, dass Unterstützung hilfreich sein könnte, sind Sie herzlich eingeladen, das Gesundheitszentrum Carpe Diem kennenzulernen. In einem unverbindlichen Erstgespräch können wir gemeinsam schauen, welche Form der Unterstützung für Sie passend sein könnte und welche nächsten Schritte möglich sind.
Das Gesundheitszentrum Carpe Diem bietet Psychotherapie in Linz und Schwechat an.
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